Jul 29

Was verbinden Sie mit der Marke Old Spice? Mal abgesehen vom Image als Opa-Marke kann auch das Bild des “alten Gewürzes” keine angenehmen Assoziationen wecken. Mit einem legendären Marketing-Coup haben Procter & Gamble in den letzten Monaten versucht, dieses altbackene Image ihrer Körperpflegemarke aufzupolieren. Die Hauptdarsteller der viralen Kampagne: ein spärlich bekleideter Ex-Footballer (Isaiah Mustafa) und YouTube.

Für alle, die nichts davon mitbekommen haben, hier noch einmal die Ausgangslage. Anfang des Jahres sorgte Old Spice mit dem Werbevideo “The man your man could smell like” für Aufsehen. 15 Mio. Klicks auf allen Plattformen und der “Grand Prix” beim Cannes Lions Werbefestival waren der Lohn. Um den geschaffenen Old-Spice-Helden weiterzuverwerten, wurde vor zwei Wochen eine Social-Media-Kampagne ins Leben gerufen, die nun als Paradebeispiel für virales Marketing gefeiert wird.

Die Idee: Muskelmann Mustafa erklärt sich dazu bereit, Fragen aus der Online-Community entgegen zu nehmen und sie in Mini-Videos zu beantworten. Daraus entwickelte sich an den zwei Tagen der Aktion eine der am schnellsten wachsenden Online-Video-Kampagnen, die es je gab. Old Spice lud insgesamt 185 Video-Responses auf seinen Channel, in der Mustafa mit gewohntem Charme und Selbstironie antwortet. Die Videos wurden bisher 106 Mio. Mal angesehen – und das eben auch dank der zahlreichen Online-Medien, die darüber berichteten. Was den Buzz am meisten anheizte, waren die Testimonials, die sich kostenlos und sogar ganz ungefragt für die Aktion gewinnen ließen. Denn neben den unbekannten Internet-Usern produzierte Old Spice Antworten für Alissa Milano, Demi Moore und den Digg-Gründer Kevin Rose.

Das Ziel, die User in einem Dialog dazu zu bringen, eine Kampagne viral zu verbreiten, wurde wohl bisher selten so souverän erreicht. Jetzt wird aber die Diskussion laut, welchen Umsatz-Nutzen Procter & Gamble daraus ziehen konnten.

Insgesamt haben die Verkäufe des Old Spice Body Wash im letzten Jahr um 11 Prozent zugenommen, in den letzten drei Monaten sogar um 55 Prozent. Ist dies aber allein der viralen Kampagne zu verdanken? Im ersten Quartal 2010 gab Old Spice 11,4 Mio. Euro für Werbung aus, das ist mehr als im Gesamtjahr 2009. Olaf Kolbrück von Off-The-Record vermutet daher, dass wohl eher zusätzlich gefahrene Kampagnen diesen Effekt hervorriefen – besonders die starke Präsenz im TV und Couponing- und Preisaktionen.

Welchen monetären Effekt die YouTube-Antworten nun tatsächlich herbeigeführt haben, ist schwierig heraus zu finden. Sicher ist aber, dass so eine Markenidentität geschaffen wird, mit der sich die Nutzer gerne auseinandersetzen. Und das ist letztendlich auch das, was langfristig mehr Wert hat, als kurzfristig gesteigerte Verkaufszahlen. Vielleicht haben wir ja auch nicht zum letzten Mal etwas von Mustafa gehört …

geschrieben von Steffi \\ Tags: , , , ,

Jul 09

Um den Verwaltungsaufwand der Personalabteilung zu verringern, müssen Bewerber sich oft stundenlang durch Online-Bewerbungsmasken kämpfen. Dabei bleibt die Individualität auf der Strecke und man muss bei einem ungewöhnlichen Lebenslauf befürchten, gleich aus dem System gekickt zu werden. Dieses Bild ergibt sich zumindest, wenn man dem Harvard Business Manager glaubt. Dieser sammelte Leserkommentare zu der Problematik, die größtenteils negativ ausfielen. Firmen sollten sich dies zu Herzen nehmen, denn derartige Bürokratie verschreckt die Talente. Das mühsam aufgebaute Arbeitgeberimage des Unternehmens ist schnell dahin. Wo also liegen die Baustellen bei den Bewerbungsformularen?

Meist schreckt schon der Umfang der Formulare ab. Was der Personalabteilung an Arbeit erspart wird, bleibt an den Bewerbern hängen. Über zig Seiten hinweg werden teilweise Details aus jahrelang zurückliegenden Berufserfahrungen abgefragt, die für die aktuelle Stelle gar nicht mehr relevant sind. Das kostet Zeit und Mühe: Während Teile aus klassischen Mappen oder E-Mail-Bewerbungen immer wieder verwendet werden können, muss hier vieles neu formuliert und eingegeben werden. Und am Ende fragt man sich, warum trotzdem noch häufig eine Mappe als PDF-Upload verlangt wird (die dann auch noch in 2 MB passen muss). Oder der Ärger ist groß, wenn nach Stunden konzentrierter Arbeit eine Time-Out-Meldung auf dem Bildschirm flackert. Das ist schlichtweg entmutigend und gibt dem Bewerber das Gefühl mangelnden Respekts.

Bedenken zeigen viele Bewerber auch, weil sie ihre Individualität und Motivation in dem vorgefertigten Schema nicht zum Ausdruck bringen können. Einerseits fehlt der erste optische Eindruck, den eine gründlich zusammengestellte Bewerbungsmappe hinterlässt. Andererseits wird es für Menschen ohne geradlinigen Standardlebenslauf schwierig, durch das Raster zu kommen. Wer beispielsweise ein nicht geläufiges Studienfach absolviert hat, sieht sich schnell vor dem Problem, dass dieses in den Auswahlmöglichkeiten unauffindbar ist. Zusätzlich fehlen meist Möglichkeiten, zu erklären, warum man gerade mit dieser Qualifikation für die Stelle geeignet ist. Wer nicht in die Spalten passt, darf sich wenig Hoffnung machen.

Sicherlich hat nicht jedes Online Bewerbungsformular diese Mankos. Dennoch kann man hier mal überlegen, was der Mehrwert derartiger Applikationen ist, wenn dadurch Nachwuchs-Potential verschenkt wird.

(Bild: pixelio.de)

geschrieben von Nadine \\ Tags: ,

Jun 29

Was ungewöhnliche Recruiting-Maßnahmen angeht, werden Unternehmen immer kreativer. Vor allem im Bereich des interaktiven Recruitainments tut sich einiges. Bestes Beispiel ist momentan die Geocaching-Aktion der 1&1 Internet AG. IT-Begeisterte können um Preise knobeln und nebenbei gleich wichtige Kontakte in ihrem Wunschunternehmen knüpfen.

Geocaching wird als moderne Schnitzeljagd immer mehr gehypet. Kleine Überraschungen werden dabei an einem Ort versteckt, dessen Koordinaten man im Internet einsehen kann. Man braucht nur ein GPS-Gerät und je nach Schwierigkeitsgrad und Wetter eine Outdoor-geeignete Kleidung. Abenteurer suchen dabei die Herausforderung beim Wandern oder Klettern. Familien hingegen freuen sich einfach auf ein bisschen Spaß in der freien Natur. Die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt – denn anscheinend funktioniert das nun sogar im Recruiting.

Die 1&1 Internet AG hat das Konzept folgendermaßen für ihr Recruiting adaptiert: In einem Cache-Parcours verstecken sich technische Aufgaben, Codes oder Knobelaufgaben, die gelöst werden müssen. Wer das schafft, erhält einen Hinweis oder eine Koordinate für den nächsten Cache. Und gleichzeitig den Beweis, dass er technisch-versiert genug ist, um bei 1&1 zumindest fachlich zu bestehen. Willkommen sind also besonders Softwareentwickler und –administratoren. Je mehr Caches man findet, umso größer sind die Chancen auf Sachpreise. Die besonders erfolgreichen Spieler lockt eine exklusive Führung durch das Rechenzentrum und die Teilnahme an der finalen Cacher-Party. Bei dem Event kann man wichtige Kontakte im Unternehmen knüpfen und sich über Karrieremöglichkeiten oder offene Stellen bei 1&1 informieren.

Damit beweist 1&1 großen Einfallsreichtum. Wie ich im 1&1 Blog lese, passt dies genau in deren Konzept, in “lockerer Atmosphäre” qualifizierte Mitarbeiter zu recruitieren: IT-Nachwuchs konnten sie schon in anderen Recruitainment-Aktionen wie “Catch the Job” oder der “Nerd-Night” für sich gewinnen.

Bis zum 29. Juli haben Interessierte noch Zeit, alleine oder mit Freunden teilzunehmen. Wir sind gespannt, wie viele ITler dem Ruf folgen…

(Bild: pixelio.de)

geschrieben von Steffi \\ Tags: , ,

Jun 17

Selten sieht man Werbung, die Augen und Ohren einfach nur gut tut. Deswegen habe ich hier ein kleines Werbeschmankerl für euch in petto, gefunden auf Stefan Niggemeiers Blog.

Zu sehen ist, wie Straßen und Häuser in Rio, London und Jodhpur einen Farbanstrich in Stop-Motion bekommen. Begleitet wird die Farbexplosion vom isländischen Musiker Jònsi. Da gerät man schnell ins Träumen – und ich bekomme direkt Lust, meine Wohnung und gleich ganz Paderborn neu zu streichen.

Aber zurück zum Thema. Dahiner steckt das Let’s Colour Project des Farbherstellers Dulux. Seit März 2010 bringt er damit Farbe nach Brasilien, Frankreich, Indien und England. Dank der Zusammenarbeit mit den lokalen Gemeinden erstrahlen nun Schulen, Straßen, Häuserfassaden und öffentliche Plätze in neuem Gewand. Und nebenbei ist dabei gleich eine ansehnliche Werbekampagne herausgekommen. Von mir gibt es daher eine eins plus mit Sternchen.

geschrieben von Steffi \\ Tags: , ,

Jun 16

Welchen Einfluss hat eigentlich die WM auf die Konjunktur? Auf den Seiten der Uni Bonn habe ich dazu ein interessantes Video gefunden. Darin erklärt Prof. Dr. Armin Falk wie für ihn wirtschaftlicher Aufschwung und Fußball-WM zusammenhängen. Eines sei jetzt schon mal verraten: Es hat nichts mit dem übermäßigen Kauf von Vuvuzelas zu tun, sondern geht auf das gesteigerte Wohlbefinden der Bevölkerung zurück.

Anschauen könnt ihr euch das Video hier. Mal sehen, ob wir dieses Jahr wieder den beschriebenen Effekt in Deutschland beobachten können.

Und noch ein Tipp für Fans: Dieser witzige Online-WM-Kalender spuckt Spieltermine geordnet nach Kategorien aus. Zur Auswahl stehen Nationalteams, Spieltage, Gruppen und Stadien.

geschrieben von Nadine \\ Tags: , , ,

Jun 16

… bitte unterstützt den Daniel Noha bei seiner Online-Umfrage für seine wissenschaftliche Arbeit (Bachelor-Thesis) zum Thema Online-Jobbörsen / -Karriereportale! Sie dauert nur ca. 10min.

>>>>>>>>    zur Umfrage    <<<<<<<<

Mann mit FernglasWorum geht es bei dieser Studie?
In dieser Studie geht es darum, Online-Jobportale, deren Funktionen und die Präferenzen der Benutzer zu analysieren.

Wie wird die Studie durchgeführt?
In den jeweiligen Abschnitten werden Ihnen verschiedene Fragen in Form eines Online-Fragebogens gestellt. Dies betrifft insbesondere Themen aus den Bereichen Soziodemografie, soziale Netzwerke und natürlich Online-Jobportale und Ihr Online-Nutzerverhalten.

Wie werden meine Angaben verwendet?
Die Erhebung der Daten erfolgt in anonymer Form. Die Antworten werden ausschließlich von mir zu wissenschaftlichen Zwecken statistisch ausgewertet und im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie (Schwerpunkt Europäische BWL, Business & Innovation Management an der Europäischen Fernhochschule Hamburg) verwendet.

Sollten Sie zwecks Zusendung des Auswertungsberichtes auf der letzten Seite Ihre E-Mail-Adresse angeben, werde ich diese vom restlichen Fragebogen trennen, so dass hier keine Zuordnung der Antworten zu Ihnen möglich ist. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht an Dritte weitergegeben!
Bitte leiten Sie diese Nachricht auch an Ihren Bekanntenkreis weiter. Je mehr Personen an der Umfrage teilnehmen, desto genauer werden die Ergebnisse der Studie sein.

Mit den besten Grüßen & vielen Dank für Ihre Unterstützung!
Daniel Noha

>>>>>>>>    zur Umfrage    <<<<<<<<

geschrieben von AJ \\ Tags: , , , ,

Jun 15

Ganz egal, wo man momentan hinschaut, die WM verfolgt jeden. Der Öl- und Gasproduzent Wintershall nutzt diese Welle nun zum Recruiting. Denn warum sollte man nicht eine Anzeigenkampagne passend im Fußball-Look schalten? Und das ist noch nicht genug, auch Zeitpunkt und Ort müssen stimmen: Wintershall veröffentlichte die Stellenanzeige zum ersten Spieltag der WM im Sportteil der Welt. Gefunden habe ich die Stellenanzeige übrigens auf dem Recruitainment-Blog.

Zu sehen sind darauf elf Sammelkarten mit Fußballern aus elf Nationen. Auf den zweiten Blick ist klar: Das sind alles tatsächlich Mitarbeiter bei Wintershall. Eine sympathische Idee, die nebenbei den Fokus auf Diversity im Unternehmen unterstreicht. Sportsfreunde mit Teamgeist haben also bei einer Bewerbung gute Chancen auf ein eigenes Sammelbildchen. :)

geschrieben von Nadine \\ Tags: , ,

Jun 11

Unternehmen erkennen langsam den Nutzen von Facebook für die interaktive Kommunikation mit dem Kunden und dem Nachwuchs. Sie können zum Beispiel Wettbewerbe ausrufen, Umfragen starten oder interessante News posten. Im Handelsblatt bin ich auf einen neuen Trend aus den USA gestoßen, der darauf setzt, sich von seinen Fans bei der Produktentwicklung helfen zu lassen. In Deutschland nutzt dies erstmals der Drogeriemarkt DM. Auf der Facebook-Fanseite der hauseigenen Marke Alverde wurden die User aufgefordert, Kosmetikartikel zu entwerfen. Die jeweiligen Gewinnerprodukte kommen dann im Winter in die Filialen von DM.

Kollektive Intelligenz. Interaktive Wertschätzung. Co-Kreation. Crowdsourcing. Der Ansatz hat viele Namen und ist auch nicht ganz neu. Aufgaben der Produktentwicklung, an denen sich bislang nur Mitarbeiter oder Produktdesigner die Köpfe zerbrachen, werden dabei an den Kunden weitergegeben. Denn niemand weiß besser, was dem Kunden gefällt, als er selbst. Es war nur bisher noch nie so einfach, die Ideenfindung auszulagern, als mit Facebook.

So hat der US-Pizzalieferat Papa John’s seine Facebook-Fans animiert, Rezeptvorschläge für eine neue Pizza abzugeben. Der Gewinner, dessen Vorschlag produziert wird, darf sich über eine Gewinnbeteiligung und lebenslange Gratis-Pizza freuen. Der Wettbewerb läuft noch bis zum 14. Juni und hat bereits mehr als 10.700 Rezeptvorschläge erbracht. Ähnliche Aktionen haben auch Dunkin Donuts (siehe Bild) und der Softdrinkhersteller Mountain Dew durchgeführt. Solange ein Anreiz lockt, nehmen User offensichtlich mit großem Vergnügen an derartigen Aktionen teil.

Alverde befindet sich also auf dem richtigen Weg. Es wird sich erst in einem halben Jahr zeigen, ob die Schmink-Artikel der Facebook-Fans Verkaufsschlager werden. Genau das ist aber vielleicht auch nicht der Punkt. Viel zentraler ist, dass man den Kunden wertschätzt und so die Beziehung nachhaltig intensiviert. Extra Sympathiepunkte kann Alverde daher genauso bei denen sammeln, die den Wettbewerb nur passiv verfolgt haben.

Das Thema ist vielleicht gar nicht so unrelevant für Bewerber – wer bei solchen Crowdsourcing-Aktionen innovative Ideen vorbringt, hat später auch im Bewerbungsprozess einen Joker im Ärmel. Denn so beweist man neben Kreativität auch Verbundenheit zum Wunscharbeitgeber. Daher bin ich gespannt, ob demnächst weitere Unternehmen auf diesen Zug aufspringen und die Produktentwicklung in Facebook auslagern. :)

geschrieben von Steffi \\ Tags: ,

Jun 04

Ab dem 11. Juni müssen sich Fußballbegeisterte wieder Gedanken machen, wie sie die WM-Spiele verfolgen können, ohne den Arbeitgeber zu verärgern. Denn einige der Spiele finden während der regulären Arbeitszeit statt. Welche Möglichkeiten hat man, wenn man nicht ganz auf das Vergnügen verzichten möchte?

Generell gilt, dass Fußball nicht während der Arbeitszeit geschaut werden darf. Laut FAZ ist es nicht unwahrscheinlich, dass der Chef ein Auge zudrückt – schließlich ist das auch gut für das Betriebsklima. Trotzdem kann sich darauf niemand verlassen. Wer sich keinen Urlaub nehmen kann oder wenn sich kein tauschwilliger Kollege findet, sollte man Vorsicht walten lassen. Schnell greift man zur Krankschreibung als Plan B. Das ist laut Jochen Mai von der Karrierebibel besonders heikel: Wer die Krankheit aus Frust über den nicht genehmigten Urlaub sogar angekündigt hat, riskiert eine fristlose Kündigung. Und selbst wer sich diesen Fehler nicht erlaubt, ist im Ansehen des Chefs trotzdem gesunken.

In den meisten Fällen bleibt einem also nichts anderes übrig, als während der Spiele im Büro zu bleiben. Wem die private Internetnutzung am Arbeitsplatz erlaubt ist, der darf sich zumindest die aktuellen Spielergebnisse durchlesen. Das Spiel jedoch online zu verfolgen, ist kein Kavaliersdelikt. Ähnliches gilt fürs Radio: Ist ein Büro mit Radio ausgestattet, kann unter Absprache mit dem Chef ein Sender eingeschaltet werden, der live überträgt. Der Chef hat aber weiterhin Mitspracherecht: Sollte er merken, dass die Mitarbeiter sich nicht mehr auf ihre Arbeit konzentrieren, kann er den Spaß schnell unterbinden.

Fußballfreunde haben es also nicht leicht. Für wen all diese Optionen nicht in Frage kommen, der kann zumindest abwägen, ob er seine Liebe zur Nationalmannschaft mit einem Trikot bekunden will. Theoretisch möglich ist das, wenn Kundenkontakt oder besondere Kleidungsvorschriften einen solchen Aufzug nicht verbieten.

(Bild: pixelio.de)

geschrieben von Steffi \\ Tags: , , ,

Mai 28

Wenn Personaler im Vorstellungsgespräch den Kopf des Bewerbers vermessen, sollte man stutzig werden. Einige Unternehmen erhoffen sich neuerdings durch den Einsatz der sogenannten Psycho-Physiognomik sattelfeste Aussagen über die Persönlichkeit ihrer Bewerber. Psycho-Physiognomiker glauben, dass der Charakter eines Menschen anhand seiner Gesichtszüge und der Schädelform erkennbar ist. Eine hohe Stirn oder lange Nase könnten also unsere Wesenszüge verraten. Kommt uns das nicht irgendwie bekannt vor? Richtig, auch im dritten Reich diente diese Theorie als Vorlage für fragwürdige Praktiken der Nazis.

Davon distanzieren sich Anhänger der Psycho-Physiognomik heute zwar ausdrücklich. Sie sind jedoch weiterhin davon überzeugt, dass Eigenschaften wie beispielsweise Kreativität oder analytisches Denken in bestimmten Hirnarealen sitzen. Sind diese stark ausgeprägt, würde das Gehirn an dieser Stelle gegen die Schädelwand drücken und den Kopf formen. Fakt ist: Das Gehirn ist dazu nicht in der Lage und beeinflusst erst recht nicht die Größe der Ohrläppchen. Außerdem ist heute klar, dass das Gehirn über Netzwerkstrukturen funktioniert und sich Charakterzüge nicht lokalisieren lassen. Neben dem Mangel an wissenschaftlichen Befunden dürfte uns folglich auch der gesunde Menschenverstand zur Skepsis bewegen.

Wie kommt es also, dass schätzungsweise 2,4 Prozent der deutschen Unternehmen – darunter auch renommierte Konzerne – dieses Verfahren für die Personalauswahl benutzen? Menschen können ihr Verhalten, die Körpersprache und Mimik bis zu einem bestimmten Grad manipulieren. Personaler suchen daher nach immer besseren Methoden, um Bewerber zu durchschauen. Und Psycho-Physiognomik ist verlockend, weil die Kopfform nicht veränderbar ist.

Hinzu kommt, dass die Vertreter der Psycho-Physiognomik mittels dubioser Zertifikate die Qualität ihrer Arbeit bewerben. Bei der Überzeugungsarbeit nutzen sie einfache Taschenspielertricks, die man von Wahrsagern und Horoskop-Hotlines kennt: Sie halten ihre Aussagen allgemein und passen diese durch genaue Beobachtung des Gegenübers an. In einem Interview mit dem Spiegel bezeichnet der Psychologe Dr. Uwe Kanning diese Vorgehensweise als Scharlatanerie.

Offen gibt kein Unternehmen zu, dass es diese Methode anwendet. Zusätzlich ist das Thema noch weitgehend unbekannt, was es schwierig macht sich in einem Vorstellungsgespräch dagegen zu wehren. Wenn ein Unternehmen zu derart unprofessionellen und diskriminierenden Mitteln greift, sollte man darum einen großen Bogen machen.

(Bild: pixelio.de)

geschrieben von Steffi \\ Tags: , , ,