Mai 28

Wenn Personaler im Vorstellungsgespräch den Kopf des Bewerbers vermessen, sollte man stutzig werden. Einige Unternehmen erhoffen sich neuerdings durch den Einsatz der sogenannten Psycho-Physiognomik sattelfeste Aussagen über die Persönlichkeit ihrer Bewerber. Psycho-Physiognomiker glauben, dass der Charakter eines Menschen anhand seiner Gesichtszüge und der Schädelform erkennbar ist. Eine hohe Stirn oder lange Nase könnten also unsere Wesenszüge verraten. Kommt uns das nicht irgendwie bekannt vor? Richtig, auch im dritten Reich diente diese Theorie als Vorlage für fragwürdige Praktiken der Nazis.

Davon distanzieren sich Anhänger der Psycho-Physiognomik heute zwar ausdrücklich. Sie sind jedoch weiterhin davon überzeugt, dass Eigenschaften wie beispielsweise Kreativität oder analytisches Denken in bestimmten Hirnarealen sitzen. Sind diese stark ausgeprägt, würde das Gehirn an dieser Stelle gegen die Schädelwand drücken und den Kopf formen. Fakt ist: Das Gehirn ist dazu nicht in der Lage und beeinflusst erst recht nicht die Größe der Ohrläppchen. Außerdem ist heute klar, dass das Gehirn über Netzwerkstrukturen funktioniert und sich Charakterzüge nicht lokalisieren lassen. Neben dem Mangel an wissenschaftlichen Befunden dürfte uns folglich auch der gesunde Menschenverstand zur Skepsis bewegen.

Wie kommt es also, dass schätzungsweise 2,4 Prozent der deutschen Unternehmen – darunter auch renommierte Konzerne – dieses Verfahren für die Personalauswahl benutzen? Menschen können ihr Verhalten, die Körpersprache und Mimik bis zu einem bestimmten Grad manipulieren. Personaler suchen daher nach immer besseren Methoden, um Bewerber zu durchschauen. Und Psycho-Physiognomik ist verlockend, weil die Kopfform nicht veränderbar ist.

Hinzu kommt, dass die Vertreter der Psycho-Physiognomik mittels dubioser Zertifikate die Qualität ihrer Arbeit bewerben. Bei der Überzeugungsarbeit nutzen sie einfache Taschenspielertricks, die man von Wahrsagern und Horoskop-Hotlines kennt: Sie halten ihre Aussagen allgemein und passen diese durch genaue Beobachtung des Gegenübers an. In einem Interview mit dem Spiegel bezeichnet der Psychologe Dr. Uwe Kanning diese Vorgehensweise als Scharlatanerie.

Offen gibt kein Unternehmen zu, dass es diese Methode anwendet. Zusätzlich ist das Thema noch weitgehend unbekannt, was es schwierig macht sich in einem Vorstellungsgespräch dagegen zu wehren. Wenn ein Unternehmen zu derart unprofessionellen und diskriminierenden Mitteln greift, sollte man darum einen großen Bogen machen.

(Bild: pixelio.de)

geschrieben von Steffi \\ Tags: , , ,

Aug 07

Bewerbungs-TippsEines der schwierigsten Themen überhaupt ist es, allgemein gültige Bewerbungs-Tipps für Absolventen (berufserfahrene haben es da schon einfacher, da sie sich über ihren beruflichen Werdegang qualifizieren und ausdrücken) zu geben. Denn egal wen man um Rat fragt, die Antwort wird meistens sehr geschmäcklerisch ausfallen. Klar, bei den Rahmenbedingen, Form und Schrift, Inhalt und Vollständigkeit, Anlagen … , sollten sich alle einig sein, oder? Ne, eben nicht. Schönes Beispiel hat Daniela vom Bewerberblog gefunden …
Ist der formale Aufbau geklärt, stellt sich dann automatisch die Frage: Und wie differenziere ich mich von den anderen Bewerbern? Auch diese ist natürlich wieder absolut geschmäcklerisch. Dabei sollte die Fragestellung eigentlich anders herum gestellt werden. Welchen Geschmack hat der Personaler, dem ich meine Bewerbungs-Mappe zusende? Ist er ein junger, dynamischer in einem schnell wachsenden Unternehmen, oder doch schon über 50 und eher konservativ. Und wie finde man so etwas heraus?

Per Xing und Telefon würde ich sagen, denn steht in der Stellenausschreibung der Ansprechpartner namentlich drin, einfach mal googeln oder direkt bei Xing eingeben. Bilder können schon eine kleine Geschichte erzählen. Dann den Personaler anrufen. Dem Gegenüber am Telefon natürlich aktiv zuhören. UND, sich auf ein solches Telefonat vorher einstellen! Übt doch einfach, was du sagen willst, was du fragten willst … Nach so einem Telefonat solltest du einen recht guten Eindruck über dein Gegenüber gewonnen haben. Nun solltest du wissen auf was der Personaler, dem du deine Bewerbung schickst, WERT legt.

Einen guten Tipp habe ich noch, auf dem Bewerber-Wiki von GO!Jobware gibt es den wohl größten deutschsprachige Bewerbungs-Ratgeber. Das besondere daran? Er wird von Personaler renommierter Unternehmen geschrieben und sollte es im Wiki mal keine zufriedenstellende Antwort geben, dann einfach die Frage per E-Mail an das GO!Jobware-Team senden und man bekommt kostenlos eine Antwort (übrigens auch von einem Personaler!).

geschrieben von AJ \\ Tags: , , , , ,