Um den Verwaltungsaufwand der Personalabteilung zu verringern, müssen Bewerber sich oft stundenlang durch Online-Bewerbungsmasken kämpfen. Dabei bleibt die Individualität auf der Strecke und man muss bei einem ungewöhnlichen Lebenslauf befürchten, gleich aus dem System gekickt zu werden. Dieses Bild ergibt sich zumindest, wenn man dem Harvard Business Manager glaubt. Dieser sammelte Leserkommentare zu der Problematik, die größtenteils negativ ausfielen. Firmen sollten sich dies zu Herzen nehmen, denn derartige Bürokratie verschreckt die Talente. Das mühsam aufgebaute Arbeitgeberimage des Unternehmens ist schnell dahin. Wo also liegen die Baustellen bei den Bewerbungsformularen?
Meist schreckt schon der Umfang der Formulare ab. Was der Personalabteilung an Arbeit erspart wird, bleibt an den Bewerbern hängen. Über zig Seiten hinweg werden teilweise Details aus jahrelang zurückliegenden Berufserfahrungen abgefragt, die für die aktuelle Stelle gar nicht mehr relevant sind. Das kostet Zeit und Mühe: Während Teile aus klassischen Mappen oder E-Mail-Bewerbungen immer wieder verwendet werden können, muss hier vieles neu formuliert und eingegeben werden. Und am Ende fragt man sich, warum trotzdem noch häufig eine Mappe als PDF-Upload verlangt wird (die dann auch noch in 2 MB passen muss). Oder der Ärger ist groß, wenn nach Stunden konzentrierter Arbeit eine Time-Out-Meldung auf dem Bildschirm flackert. Das ist schlichtweg entmutigend und gibt dem Bewerber das Gefühl mangelnden Respekts.
Bedenken zeigen viele Bewerber auch, weil sie ihre Individualität und Motivation in dem vorgefertigten Schema nicht zum Ausdruck bringen können. Einerseits fehlt der erste optische Eindruck, den eine gründlich zusammengestellte Bewerbungsmappe hinterlässt. Andererseits wird es für Menschen ohne geradlinigen Standardlebenslauf schwierig, durch das Raster zu kommen. Wer beispielsweise ein nicht geläufiges Studienfach absolviert hat, sieht sich schnell vor dem Problem, dass dieses in den Auswahlmöglichkeiten unauffindbar ist. Zusätzlich fehlen meist Möglichkeiten, zu erklären, warum man gerade mit dieser Qualifikation für die Stelle geeignet ist. Wer nicht in die Spalten passt, darf sich wenig Hoffnung machen.
Sicherlich hat nicht jedes Online Bewerbungsformular diese Mankos. Dennoch kann man hier mal überlegen, was der Mehrwert derartiger Applikationen ist, wenn dadurch Nachwuchs-Potential verschenkt wird.
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