Eine amerikanische Studie kam zu dem Ergebnis, dass attraktiven Frauen in Männerdomänen weniger zugemutet wird. Gleichzeitig ist es bei Männern genau umgekehrt – je attraktiver, desto kompetenter. So zumindest sieht es der Schubladendenker in uns. Und das ist nicht nur paradox, sondern auch ungerecht. Aber kann das wirklich zum Problem bei der Bewerbung und damit zur Karrierefalle werden oder wird hier wieder nur mal der Teufel an die Wand gemalt?
In der Studie der University of Columbia wurden 60 Studenten Fotos von 200 angeblich Jobsuchenden gezeigt. Das erschreckende Ergebnis: Je schöner die Frauen eingeschätzt wurden, umso weniger würde man ihnen auch eine hohe Position in Finanzen, Ingenieurwesen oder Forschung zutrauen. Das sind traditionell eher männerlastige Berufe. Je attraktiver aber die Männer waren, umso eher hätte man ihnen den Zuschlag gegeben. So weit der erste Einruck.
Doch wie entschieden die Probanden, als sie nähere Informationen über die Bewerber in Form eines Lebenslaufes bekamen? Es liegt nahe, dass man besser über die Kompetenzen der Person urteilen kann, wenn nicht nur das Äußere als Anhaltspunkt zur Verfügung steht. Dennoch fielen die Urteile nicht anders aus als vorher! Wenn dem wirklich so ist, erschwert das auch den Bewerbungserfolg. Focus Money schlägt sogar vor, in der Bewerbung zu schummeln und sich im Bewerbungsfoto “hässlicher” zu machen, als man ist. Aber das Ergebnis der Studie muss relativ gesehen werden.
Problematisch ist sie aus verschiedenen Gründen. Erstens wurden keine erfahrenen Personaler, sondern Studenten befragt. Das heißt zwar, dass Vermutungen über das spätere Arbeitsumfeld angestellt werden können (zum Beispiel müsste eine schöne Frau in der Bau-Branche härter um die Anerkennung ihrer Kollegen kämpfen). Rückschlüsse auf die klassische Bewerbungssituation lassen sich aber nur schwer ziehen. Es ist unwahrscheinlich, dass ein Personaler selbst beim Blick auf den Lebenslauf nicht noch einmal die Qualifikation des Bewerbers oder der Bewerberin überprüfen würde. Wenn das trotzdem nicht seine Vorurteile abschwächt, hat er schlichtweg den falschen Beruf gewählt. Zweitens wird kein Schönheitsbegriff zu Grunde gelegt. Wann ist ein Mann schön? Einer, der als Model Erfolg hätte muss nicht zwingend auch in Gefängniswärter-Kreisen als attraktiv gelten.
Zyniker könnten meinen, dass den attraktiven Frauen so wenigstens einmal ein Stein in den Weg gelegt wird. Immerhin scheinen sie es ja sonst im Leben leichter zu haben, als die äußerlich weniger gesegneten Damen. Aber das ist eine andere Diskussion.
Bild: Daniel Rennen / pixelio.de