Unternehmen erkennen langsam den Nutzen von Facebook für die interaktive Kommunikation mit dem Kunden und dem Nachwuchs. Sie können zum Beispiel Wettbewerbe ausrufen, Umfragen starten oder interessante News posten. Im Handelsblatt bin ich auf einen neuen Trend aus den USA gestoßen, der darauf setzt, sich von seinen Fans bei der Produktentwicklung helfen zu lassen. In Deutschland nutzt dies erstmals der Drogeriemarkt DM. Auf der Facebook-Fanseite der hauseigenen Marke Alverde wurden die User aufgefordert, Kosmetikartikel zu entwerfen. Die jeweiligen Gewinnerprodukte kommen dann im Winter in die Filialen von DM.
Kollektive Intelligenz. Interaktive Wertschätzung. Co-Kreation. Crowdsourcing. Der Ansatz hat viele Namen und ist auch nicht ganz neu. Aufgaben der Produktentwicklung, an denen sich bislang nur Mitarbeiter oder Produktdesigner die Köpfe zerbrachen, werden dabei an den Kunden weitergegeben. Denn niemand weiß besser, was dem Kunden gefällt, als er selbst. Es war nur bisher noch nie so einfach, die Ideenfindung auszulagern, als mit Facebook.
So hat der US-Pizzalieferat Papa John’s seine Facebook-Fans animiert, Rezeptvorschläge für eine neue Pizza abzugeben. Der Gewinner, dessen Vorschlag produziert wird, darf sich über eine Gewinnbeteiligung und lebenslange Gratis-Pizza freuen. Der Wettbewerb läuft noch bis zum 14. Juni und hat bereits mehr als 10.700 Rezeptvorschläge erbracht. Ähnliche Aktionen haben auch Dunkin Donuts (siehe Bild) und der Softdrinkhersteller Mountain Dew durchgeführt. Solange ein Anreiz lockt, nehmen User offensichtlich mit großem Vergnügen an derartigen Aktionen teil.
Alverde befindet sich also auf dem richtigen Weg. Es wird sich erst in einem halben Jahr zeigen, ob die Schmink-Artikel der Facebook-Fans Verkaufsschlager werden. Genau das ist aber vielleicht auch nicht der Punkt. Viel zentraler ist, dass man den Kunden wertschätzt und so die Beziehung nachhaltig intensiviert. Extra Sympathiepunkte kann Alverde daher genauso bei denen sammeln, die den Wettbewerb nur passiv verfolgt haben.
Das Thema ist vielleicht gar nicht so unrelevant für Bewerber – wer bei solchen Crowdsourcing-Aktionen innovative Ideen vorbringt, hat später auch im Bewerbungsprozess einen Joker im Ärmel. Denn so beweist man neben Kreativität auch Verbundenheit zum Wunscharbeitgeber. Daher bin ich gespannt, ob demnächst weitere Unternehmen auf diesen Zug aufspringen und die Produktentwicklung in Facebook auslagern.