In Deutschland zählen etwa 60 Prozent der Bevölkerung zu den Eulen und müssen sich mit diesem Schicksal täglich viel zu früh für ihren optimalen Rhythmus zur Arbeit quälen. Lerchen haben von Haus aus einen entscheidenden Karriere-Vorteil: Sie sind schon bei Dienstantritt sofort leistungsfähig, denn die meisten Berufsbilder folgen zumindest ansatzweise dem 9-to-5-Vorbild.
Die Eule hingegen beginnt zu arbeiten, während ihr Körper eigentlich noch auf Schlaf eingestellt ist. Im Durchschnitt schläft sie dann auch noch weniger als ihre Frühaufsteher-Kollegen, da sie nun mal erst später schlafen kann. Optimale Voraussetzungen für einen energiegeladenen Start in den Tag sind das natürlich nicht. Und trotzdem zeigt die Erfahrung, dass Langschläfer mit ausreichend Disziplin Erfolg haben können.
Es gibt online zwar zahlreiche Produktivitätsratgeber, die einem beibringen wollen, zum Frühaufsteher zu werden. Die Aussicht, dadurch mehr am Tag zu schaffen, klingt auch durchaus verlockend. Jedoch ist der Chronobiologe Till Roenneberg davon überzeugt, dass keine Technik der Welt den genetisch festgeschriebenen Schlaftyp verändern kann.
Und dennoch: Der Traum von “mehr Stunden im Tag” veranlasst die Menschen immer wieder zu drastischen Maßnahmen, die die innere Uhr austricksen und Schlaf so weit wie möglich eliminieren sollen. So verspricht die Uberman-Methode zum Beispiel, dass man mittels mehrerer über den Tag verteilten Nickerchen seine Schlafzeit auf nur zwei Stunden senken könne – ohne an Leistungsfähigkeit zu verlieren! Die verbleibende Zeit könnte dann für zusätzliche Arbeit genutzt werden. Konrad Erzberger hat diese Methode des polyphasischen Schlafs ausprobiert und in seinem Blog aufsteigen.net dokumentiert – eine interessante Erfahrungsgeschichte.
Forscher entwickelten 2008 sogar ein Nasenspray, das dem Gehirn suggeriert, dass es genügend Schlaf bekommen hat und ausgeruht ist. Potentiell ist diese Anti-Schlaf-Droge auf jeden Fall eine Lösung für Menschen mit schwerwiegenden Schlafstörungen. Für den häuslichen Gebrauch sollten die üblichen Wachmacher wie Kaffee und Co. aber ausreichen – denn die Gefahren, die der Schlafentzug auf Dauer haben kann, sind einfach noch nicht genügend erforscht worden.
Bild: Saskia Thoma / Pixelio



