Für das Recruiting von Fachkräften werden häufig Telefoninterviews zur Vorauswahl geeigneter Kandidaten genutzt. Das kann jedoch nie den persönlichen Kontakt zum Bewerber ersetzen. Am Telefon fehlen interpersonelle Faktoren wie Gestik und Mimik, die wichtig sind, um einen Menschen richtig einschätzen zu können. Gerade bei internationalen Einstellungsprozessen ist das Organisieren von Vorstellungsgesprächen ein notwendiger, aber schwieriger Prozess. Flüge müssen gebucht und die richtigen Termine gefunden werden. Das kostet Zeit und Geld. Es liegt also eigentlich auf der Hand, dass mit voranschreitender Technik das Vorstellungsgespräch auch per Videokonferenz abgehalten werden könnte. Diese Technik habe ich daher mal unter die Lupe genommen und überlegt, ob virtuelle Gespräche tatsächlich bald auch die realen ersetzen können.
Videokonferenz – dabei denken die meisten noch an stockende Versuche, sich mit Mama per Videotelefonie zu verständigen. Meistens ist die Verbindung dabei schlecht und das Bild lässt zu wünschen übrig. Derartige Zustände sind schwerlich bei einem Vorstellungsgespräch vorstellbar. Ausgefeiltere Techniken, die Meetings ermöglichen und den Arbeitsalltag effizienter gestalten, sind zwar schon in vielen Unternehmen im Einsatz. Trotzdem gibt es an dieser Stelle noch ein Manko, das ein Problem bei Vorstellungsgesprächen werden könnte. Man sitzt sich frontal und in einer unnatürlichen Position gegenüber und direkter Blickkontakt ist nicht möglich – vollständig authentisch kann man sich also nicht verhalten und wichtige Emotionen können nicht wie bei einem richtigen Gespräch vermittelt werden.
Laut dem Personalradar-Blog stellen sogenannte neuartige Telepräsenz-Systeme die Lösung dar. Das Halo Collaboration Studio von HP zum Beispiel hat mit den Dreamworks-Filmstudios zusammengearbeitet, um eine möglichst natürliche Gesprächsatmosphäre zu erreichen. Da sollen dann Möbel, Lichter und Farben optimiert sein, sodass man sich laut gemäß aktueller Ergebnisse der Verhaltensforschung richtig wohl in seiner Haut fühlt. Das klingt interessant und vielversprechend, auch wenn es erst mal schwer ist, sich etwas darunter vorzustellen. Trotzdem wird es wohl noch eine Weile dauern, bis derartige Technologien der Standard in Unternehmen werden.
Außerdem muss man natürlich fragen, wann so etwas auch im privaten Haushalt Gang und Gäbe werden wird. Denn erst dann kann es auch regelmäßig für Vorstellungsgespräche eingesetzt werden. Bisher muss in solchen Fällen die Technik noch zum Bewerber geschifft werden – was sicher auch nicht ganz billig ist und keinen Zeitvorteil verschafft. Da kann man auch gleich ins Flugzeug steigen.
Falls Videokonferenzen sich aber irgendwann durchsetzen und das Telefoninterview oder gar das richtige Vorstellungsgespräch ersetzen, liegen die Vorteile für alle Beteiligten auf der Hand. Als Bewerber fühlt man sich im heimischen Terrain sicher wohler als in einem fremden Büro und nach einem langen Anreisetag. Arbeitgeber hingegen können schneller eine Auswahl treffen und die aufgezeichneten Vorstellungsgespräche an andere Kollegen weiterleiten, die die Entscheidung unterstützen könnten. Von den Einsparungen mal ganz abgesehen.

