Sep 02

Für das Recruiting von Fachkräften werden häufig Telefoninterviews zur Vorauswahl geeigneter Kandidaten genutzt. Das kann jedoch nie den persönlichen Kontakt zum Bewerber ersetzen. Am Telefon fehlen interpersonelle Faktoren wie Gestik und Mimik, die wichtig sind, um einen Menschen richtig einschätzen zu können. Gerade bei internationalen Einstellungsprozessen ist das Organisieren von Vorstellungsgesprächen ein notwendiger, aber schwieriger Prozess. Flüge müssen gebucht und die richtigen Termine gefunden werden. Das kostet Zeit und Geld. Es liegt also eigentlich auf der Hand, dass mit voranschreitender Technik das Vorstellungsgespräch auch per Videokonferenz abgehalten werden könnte. Diese Technik habe ich daher mal unter die Lupe genommen und überlegt, ob virtuelle Gespräche tatsächlich bald auch die realen ersetzen können.

Videokonferenz – dabei denken die meisten noch an stockende Versuche, sich mit Mama per Videotelefonie zu verständigen. Meistens ist die Verbindung dabei schlecht und das Bild lässt zu wünschen übrig. Derartige Zustände sind schwerlich bei einem Vorstellungsgespräch vorstellbar. Ausgefeiltere Techniken, die Meetings ermöglichen und den Arbeitsalltag effizienter gestalten, sind zwar schon in vielen Unternehmen im Einsatz. Trotzdem gibt es an dieser Stelle noch ein Manko, das ein Problem bei Vorstellungsgesprächen werden könnte. Man sitzt sich frontal und in einer unnatürlichen Position gegenüber und direkter Blickkontakt ist nicht möglich – vollständig authentisch kann man sich also nicht verhalten und wichtige Emotionen können nicht wie bei einem richtigen Gespräch vermittelt werden.

Laut dem Personalradar-Blog stellen sogenannte neuartige Telepräsenz-Systeme die Lösung dar. Das Halo Collaboration Studio von HP zum Beispiel hat mit den Dreamworks-Filmstudios zusammengearbeitet, um eine möglichst natürliche Gesprächsatmosphäre zu erreichen. Da sollen dann Möbel, Lichter und Farben optimiert sein, sodass man sich laut gemäß aktueller Ergebnisse der Verhaltensforschung richtig wohl in seiner Haut fühlt. Das klingt interessant und vielversprechend, auch wenn es erst mal schwer ist, sich etwas darunter vorzustellen. Trotzdem wird es wohl noch eine Weile dauern, bis derartige Technologien der Standard in Unternehmen werden.

Außerdem muss man natürlich fragen, wann so etwas auch im privaten Haushalt Gang und Gäbe werden wird. Denn erst dann kann es auch regelmäßig für Vorstellungsgespräche eingesetzt werden. Bisher muss in solchen Fällen die Technik noch zum Bewerber geschifft werden – was sicher auch nicht ganz billig ist und keinen Zeitvorteil verschafft. Da kann man auch gleich ins Flugzeug steigen.

Falls Videokonferenzen sich aber irgendwann durchsetzen und das Telefoninterview oder gar das richtige Vorstellungsgespräch ersetzen, liegen die Vorteile für alle Beteiligten auf der Hand. Als Bewerber fühlt man sich im heimischen Terrain sicher wohler als in einem fremden Büro und nach einem langen Anreisetag. Arbeitgeber hingegen können schneller eine Auswahl treffen und die aufgezeichneten Vorstellungsgespräche an andere Kollegen weiterleiten, die die Entscheidung unterstützen könnten. Von den Einsparungen mal ganz abgesehen.

geschrieben von Nadine \\ Tags: , , , ,

Aug 25

Eine amerikanische Studie kam zu dem Ergebnis, dass attraktiven Frauen in Männerdomänen weniger zugemutet wird. Gleichzeitig ist es bei Männern genau umgekehrt – je attraktiver, desto kompetenter. So zumindest sieht es der Schubladendenker in uns. Und das ist nicht nur paradox, sondern auch ungerecht. Aber kann das wirklich zum Problem bei der Bewerbung und damit zur Karrierefalle werden oder wird hier wieder nur mal der Teufel an die Wand gemalt?

In der Studie der University of Columbia wurden 60 Studenten Fotos von 200 angeblich Jobsuchenden gezeigt. Das erschreckende Ergebnis: Je schöner die Frauen eingeschätzt wurden, umso weniger würde man ihnen auch eine hohe Position in Finanzen, Ingenieurwesen oder Forschung zutrauen. Das sind traditionell eher männerlastige Berufe. Je attraktiver aber die Männer waren, umso eher hätte man ihnen den Zuschlag gegeben. So weit der erste Einruck.

Doch wie entschieden die Probanden, als sie nähere Informationen über die Bewerber in Form eines Lebenslaufes bekamen? Es liegt nahe, dass man besser über die Kompetenzen der Person urteilen kann, wenn nicht nur das Äußere als Anhaltspunkt zur Verfügung steht. Dennoch fielen die Urteile nicht anders aus als vorher! Wenn dem wirklich so ist, erschwert das auch den Bewerbungserfolg. Focus Money schlägt sogar vor, in der Bewerbung zu schummeln und sich im Bewerbungsfoto “hässlicher” zu machen, als man ist. Aber das Ergebnis der Studie muss relativ gesehen werden.

Problematisch ist sie aus verschiedenen Gründen. Erstens wurden keine erfahrenen Personaler, sondern Studenten befragt. Das heißt zwar, dass Vermutungen über das spätere Arbeitsumfeld angestellt werden können (zum Beispiel müsste eine schöne Frau in der Bau-Branche härter um die Anerkennung ihrer Kollegen kämpfen). Rückschlüsse auf die klassische Bewerbungssituation lassen sich aber nur schwer ziehen. Es ist unwahrscheinlich, dass ein Personaler selbst beim Blick auf den Lebenslauf nicht noch einmal die Qualifikation des Bewerbers oder der Bewerberin überprüfen würde. Wenn das trotzdem nicht seine Vorurteile abschwächt, hat er schlichtweg den falschen Beruf gewählt. Zweitens wird kein Schönheitsbegriff zu Grunde gelegt. Wann ist ein Mann schön? Einer, der als Model Erfolg hätte muss nicht zwingend auch in Gefängniswärter-Kreisen als attraktiv gelten.

Zyniker könnten meinen, dass den attraktiven Frauen so wenigstens einmal ein Stein in den Weg gelegt wird. Immerhin scheinen sie es ja sonst im Leben leichter zu haben, als die äußerlich weniger gesegneten Damen. Aber das ist eine andere Diskussion. :)

Bild: Daniel Rennen / pixelio.de

geschrieben von Steffi \\ Tags: , , ,

Mai 28

Wenn Personaler im Vorstellungsgespräch den Kopf des Bewerbers vermessen, sollte man stutzig werden. Einige Unternehmen erhoffen sich neuerdings durch den Einsatz der sogenannten Psycho-Physiognomik sattelfeste Aussagen über die Persönlichkeit ihrer Bewerber. Psycho-Physiognomiker glauben, dass der Charakter eines Menschen anhand seiner Gesichtszüge und der Schädelform erkennbar ist. Eine hohe Stirn oder lange Nase könnten also unsere Wesenszüge verraten. Kommt uns das nicht irgendwie bekannt vor? Richtig, auch im dritten Reich diente diese Theorie als Vorlage für fragwürdige Praktiken der Nazis.

Davon distanzieren sich Anhänger der Psycho-Physiognomik heute zwar ausdrücklich. Sie sind jedoch weiterhin davon überzeugt, dass Eigenschaften wie beispielsweise Kreativität oder analytisches Denken in bestimmten Hirnarealen sitzen. Sind diese stark ausgeprägt, würde das Gehirn an dieser Stelle gegen die Schädelwand drücken und den Kopf formen. Fakt ist: Das Gehirn ist dazu nicht in der Lage und beeinflusst erst recht nicht die Größe der Ohrläppchen. Außerdem ist heute klar, dass das Gehirn über Netzwerkstrukturen funktioniert und sich Charakterzüge nicht lokalisieren lassen. Neben dem Mangel an wissenschaftlichen Befunden dürfte uns folglich auch der gesunde Menschenverstand zur Skepsis bewegen.

Wie kommt es also, dass schätzungsweise 2,4 Prozent der deutschen Unternehmen – darunter auch renommierte Konzerne – dieses Verfahren für die Personalauswahl benutzen? Menschen können ihr Verhalten, die Körpersprache und Mimik bis zu einem bestimmten Grad manipulieren. Personaler suchen daher nach immer besseren Methoden, um Bewerber zu durchschauen. Und Psycho-Physiognomik ist verlockend, weil die Kopfform nicht veränderbar ist.

Hinzu kommt, dass die Vertreter der Psycho-Physiognomik mittels dubioser Zertifikate die Qualität ihrer Arbeit bewerben. Bei der Überzeugungsarbeit nutzen sie einfache Taschenspielertricks, die man von Wahrsagern und Horoskop-Hotlines kennt: Sie halten ihre Aussagen allgemein und passen diese durch genaue Beobachtung des Gegenübers an. In einem Interview mit dem Spiegel bezeichnet der Psychologe Dr. Uwe Kanning diese Vorgehensweise als Scharlatanerie.

Offen gibt kein Unternehmen zu, dass es diese Methode anwendet. Zusätzlich ist das Thema noch weitgehend unbekannt, was es schwierig macht sich in einem Vorstellungsgespräch dagegen zu wehren. Wenn ein Unternehmen zu derart unprofessionellen und diskriminierenden Mitteln greift, sollte man darum einen großen Bogen machen.

(Bild: pixelio.de)

geschrieben von Steffi \\ Tags: , , ,